Heimo Zobernig
Film/Video Liste
de nada, 1981, Video, Farbe, Ton, 67 min
de nada (span.: über nichts, nicht der Rede wert), Zobernigs erstes von ihm als gültig empfundenes Video entsteht im Haus, das seine Schwestern auf Teneriffa bewohnen. Die Kamera ist auf einem Stativ vor dem Fenster montiert und fängt in spielerischem Wechsel zwischen statischer Einstellung und langsamen Schwenks den Blick in die Landschaft ebenso ein wie belangslose Szenen im Haus: die Schwestern beim Plaudern - unter anderem über Kreativität - Kaffeetrinken, Haare Kämmen etc. Zu der von der Videokamera mitaufgezeichneten Soundkulisse gehören Aufnahmen eines im Hause vorgefunden Tonbandes. Es stammt aus einem Konvolut, das ein ehemals dort wohnender Hoteldirektor hinterlassen hatte. Nach anfänglichen Störgeräuschen aufgrund falscher Geschwindigkeit hört man auf ihm ein von Ansagen begleitetes Musikprogramm, durch das der Film unter anderem über weite Strecken mit Ludwig von Beethovens Pastorale unterlegt wird.
Nr. 2, 1989, Video, Farbe, Ton, 6 min, Loop
Videotechnik: Andreas Braito
Musik: Muki Pakesch
Video Nr. 2 zeigt Zobernig mit blonder Langhaarprücke leicht torkelnd über eine Wiese gehend. Der Film ist mit den computergenerierten holprigen Klängen des Zusammenspiels einer Gitarre, einer Flöte und eines Tamburins unterlegt.
Nr. 4, 1989, Video, Farbe, Ton, 20 min, Loop
Videotechnik: Andreas Braito
Video Nr. 4 zeigt Zobernig und Muki Pakesch - Künstler und Bruder des Galeristen - in Anzügen und mit Sonnenbrillen auf einem Sofa sitzend. Zobernig macht Bewegungen und Handlungen, die Pakesch möglichst gleichzeitig ebenfalls auszuführen trachtet, wobei seine Wiederholungen sowohl symmetrisch als auch gespiegelt zu jenen Zobernigs ausfallen.
Videoedition für Texte zur Kunst, 1991, Video, Farbe, Ton, 30 min
Das Video wurde während der Art Cologne 1991 aus dem Fenster der damals über der Galerie Nagel gelegenen Redaktionsräume der Zeitschrift Texte zur Kunst aufgenommen. Die Kamera ist auf die Straße gerichtet und filmt Protagonisten des Kunstbetriebs auf dem Weg in die Galerie bzw. in die Redaktionsräume sowie beim Verlassen derselben. In der Reihenfolge ihres Auftretens sind dies: Andreas Höhne, Karin Barth, eine Unbekannte, Frank Perrin, ein Unbekannter, Jutta Koether, Ralph Wernicke, Bettina Rheinbay, Ferdinand Schmatz, eine Unbekannte, Joseph Zehrer, Stephan Dillemuth, Josef Strau, Moritz Päffgen, Merlin Carpenter, Hans-Jörg Mayer, Andrea Stappert, Frank Bitzer, Nils Norman, Michael Krebber, Mayo Thompson, Charline von Heyl, Diedrich Diederichsen, Helmut Draxler, Stefan Germer, Isabelle Graw, John Miller, Burkhard Riemenschneider, Jörg Schlick, Hans-Jörg Mayer, Matthias Schauffler, Cosima von Bonin, Christian Philipp Müller, Annette Sievert, Manfred Hermes, Caroline Nathusius, Manfred Hermes, Christian Philipp Müller, Andrea Fraser, Caroline Nathusius, Kiron Kosla, Cosima von Bonin, Christian Nagel, Annette Sievert, Kiron Kosla, Birgit Küng, Karola Grässlin, Mike Kelley, Isabelle Graw, Mark Terkessides, Jutta Koether, Olivier Zahm, Elaine Fleiss, Petra Rogal, Kiki Hops und ein Unbekannter.
38, 1992, Video, Farbe, Ton, 30 min, Loop
Das Video 38 zeigt die Flötistin Brigitte Bauer vor einer leeren Wand stehend. Während über ihren Kopf und Oberkörper eine große Kartonschachtel gestülpt ist, spielt sie eine Stimme einer Fuge über die Töne a, c, h, deis [sic!], gis. Der Name des Videos ist die Konfektionsgröße der Flötistin.
In Anspielung auf Bachs Fuge über die Buchstaben seines Namens sind die Töne ihrer Fuge eine Annäherung an das Wort „achtunddreißig".
AVOIDANCE im Studio, 1992, Video, Farbe, ohne Ton, 40 min
Kamera: Peter Kogler, Octavian Trauttmansdorff
AVOIDANCE im Studio dokumentiert die Aufnahmen im Studio ohne Ton.
Nr. 9, 1995, Video, Farbe, Ton, 30 min, Loop
Videotechnik: Franz Pomassl
Das Video Nr. 9 entstand im Hinblick auf das Kunstprogramm des Aids-Balls 1995, kam dort aber doch nicht zum Einsatz. Es zeigt den Blick in eine lichtlose, offen stehende Toilette, aus der man die Stimme des Künstlers hört, der in kontinuierlicher Wiederholung mit schwacher flehender Stimme 30 Minuten lang „Hilfe" ruft.
Nr. 10, 1995, Video, Farbe, Ton, 30 min, Loop
Videotechnik: Franz Pomassl
Im Video Nr. 10 werden zwei Abfolgen von vier bzw. fünf Filmkadern, die das Gesicht von Zobernigs schreiendem Sohn Viktor (geboren 1994) zeigen, in rhythmisierter Wiederholung endlos aneinandergereiht.
Nr. 11, 1995, Video, Farbe, ohne Ton, 30 min, Loop
Computertechnik: Erwin Kneissl
Videotechnik: Franz Pomassl
Im Video Nr. 11 wird das formale Konzept von Zobernigs Farbfleckenbildern in computergenerierte in ständiger Veränderung befindliche abstrakte Bilder übersetzt.
Nr. 12, 1996, Video, Farbe, ohne Ton, 30 min, Loop
Videotechnik: Matthew Konicek (Avenue Edit)
Im Video Nr.12 verschränkt Zobernig seine - hier in existenzieller Nacktheit auftretende - Person mit dem Ort einer seiner Ausstellungen und dessen urbanem Kontext. Die Arbeit entstand in Chicago als Teil seiner Ausstellung in der Renaissance Society. Sie ist das erste Video, in dem Zobernig die Technik des Keying einsetzt.
Keying ist die Methode des Zusammenführens von Bildmaterial aus zwei Video-Quellen, indem aus einem Film ein bestimmter Farbwert ausgefiltert wird, um an die gewonnenen Leerstellen anderes Material einspielen zu können. Besonders geeignet dafür gilt ein bestimmtes Ultramarin als Ton, der erfahrungsgemäß in der Realität so selten vorkommt, dass er mit kaum merkbaren Verlusten aus einer Aufnahme ausgefiltert werden kann. Man baut daher Blue Boxes als Aufnahmeorte für Szenen, in die nachträglich anderes Bild-Material einmontiert werden soll.
So eine Blue Box erzeugt Zobernig, indem er den langen Gang vor dem Eingang in die Renaissance Society in diesem Blau ausmalen lässt. Matthew Konicek nimmt hier ein Video auf, in dem Zobernig nackt, einer sehr lockeren Choreografie folgend, verschiedene tänzerisch-turnerische Bewegungen
vollführt. Aus diesem Video wird der blaue Hintergrund mittels Keying ausgeblendet und an seiner Stelle Aufnahmen eingespielt, die Zobernig während einer Architektur-Besichtigungsfahrt durch Chicago gefilmt hat. Es war dies eine spezielle Tour, die Zobernigs Wünschen entsprechend von dem Architekten und Architekturtheoretiker Ben Nicholson und dessen Schüler und Mitarbeiter Nathaniel Linday eigens zusammengestellt worden war. Sie zeigte nicht in erster Linie die bekannten Architektur-„Highlights", sondern sollte in topografischer wie sozialer Hinsicht einen Überblick über die verschiedenen Aspekte der Stadt vermitteln. Im Stadtzentrum beginnend, führte sie in einer Art Spirale an den Stadtrand, wo auch der Universitäts-Campus liegt, in dem sich die Renaissance Society befindet. Teilweise ging die Route entlang der Strecke der Verfolgungsjagd in John Landis' 1980 entstandenem Film The Blues Brothers.
Nr. 14, 1996, Video, Farbe, ohne Ton, 30 min, Loop
Das Video Nr.14 entsteht in Krakau für Zobernigs Ausstellung in der dortigen Galerie Potocka. Ähnlich wie Nr.12 verbindet es die optische Vermessung eines Ausstellungsortes mit dem Blick auf dessen städtischen Umraum und verweist damit unter anderem auf die Bedeutung, die dem Ausstellungsraum und dessen örtlichem Kontext bei der Rezeption von Kunst zukommt. Die Kamera folgt einem Mopp, mit dem der videoblau gestrichene Boden der Galerie Potocka aufgewaschen wird. Grundriss und Ausmaße des Raumes werden auf diese Weise filmisch abgetastet. Mittels der Technik des Keying wird der Galerieboden ausgeblendet und durch Aufnahmen des Bodens von Krakaus historischer Prachtstraße ersetzt, der nun vom Mopp gereinigt wird.
Zu den Inspirationsquellen dieses Motivs zählen ein Fernsehdokumentarfilm, in dem als Symbol für die Säuberungen des Sowjetregimes eine Szene aus einem Spielfilm einmontiert war, in der Frauen den Roten Platz in Moskau mit Reisigbesen egen, ebenso wie Joseph Beuys' Fluxusaktion Ausfegen des Grafenberger Waldes in Düsseldorf 1971.
Nr. 17, 1998, Video, Farbe, ohne Ton, 11 min, Loop
Video-Editing: Bernhard Riff
Das Video Nr. 17 entsteht in der Ausstellung Sharawadgi in der Felsenvilla Baden Es zählt zu jenen, in denen Zobernig den Raum der Installation einer seiner Arbeiten mit dessen örtlichen Kontext verwebt. Aus einer Rundumaufnahme jenes mit Biedermeiermöbeln ausgestatteten Zimmers, dessen Wände Zobernig mit Fotohintergrundkarton ausgekleidet hat, wurden mittels Keying das Blau - und damit die Wände des Raumes - ausgeblendet. An seine Stelle wird ein von Zobernig am Eröffnungstag gefilmter Rundgang durch die Ausstellung eingespielt, bei dem auch das Publikum sowie der Galerist und Kurator der Ausstellung Christian Meyer zu sehen sind.
Video/Kino + (Ja/Nein, Ernst Schmidt jr. 1968, 16 mm, stumm, 3 min), 1999, Farbe, ohne Ton, 6 min, Loop
Produktion: Kunstverein München
Videoschnitt: Edition M GmbH
Der Videofilm Video/Kino + (Ja/Nein, Ernst Schmidt jr. 1968, 16 mm, stumm, 3 min) entstand als Teil von Zobernigs Ausstellung im Kunstverein München 1999. In einer im Loop wiederholten filmischen Sequenz verbindet es die leere flimmernde Oberfläche eines Video-Monitors mit der opaken einer Kinoleinwand. Ausgangspunkt ist der Bildschirm des auf einem Tisch platzierten Monitors, in dem Video/Kino während der Ausstellung läuft. Zobernig filmt dessen leere flimmernde Oberfläche und zoomt dann von ihr weg, wodurch eine endlos wirkende Staffelung von Bildschirmen entsteht. Danach schwenkt die Kamera über den Tisch, auf dem der Buchentwurf einer Bibliografie der geometrisch-abstrakten Kunst liegt, hinweg zur Installation im großen Ausstellungsraum, mit weißem Boden, weißen Wänden, weißen Sesseln und einem großen schwarzen Screen. In deren idealer Gesamtansicht schaltet die Videokamera in den Negativmodus, wodurch Raum und Mobiliar schwarz werden, während der schwarze Molton weiß wird und somit als Kinoleinwand in einer Black Box erscheint. Nun zoomt die Kamera auf diese Fläche, bis sie sich mit jener des Kameraausschnitts deckt und das Videobild monochrom weiß ist. An dieser Stelle montiert Zobernig den 1968 entstandenen Film Ja/Nein des von ihm hochgeschätzten Wiener Avantgardefilmers Ernst Schmidt jr. ein, in dem das Öffnen und Schließen eines Kinovorhangs vor einer leeren weißen Leinwand drei Minuten lang wiederholt zu sehen ist. Danach zoomt die Videokamera zurück, schaltet aus dem Negativmodus und bewegt sich wieder zum Videoschirm, wodurch sich der Loop schließt.
Nr. 21, 2003, Video, Farbe, Ton, 1 min, Loop
Digitalediting: Romy Richter
Produktionsassistent: Stef Burghard
Die Grundlage für das Video bilden die für das Kalibrieren der Farb- und Toneinstellungen von Monitoren normierten acht Farbbalken im RGB-Farbsystem begleitet mit der Sinusschwingung des Kammertons A von 440 Hz.
Daraus sind sieben weitere Farbbalkenmotive abgewandelt denen jeweils ein Ton der Tonleiter zugeordnet ist. Diese insgesamt acht Bildvariationen sind in einer Zufallsbestimmten weise zu acht Bildern pro Sekunde und einer Gesamtlänge von 60 Sekunden montiert. Das Ergebnis bildet ein rasantes durcheinander von Farben und Tönen auf der Grundlage vorgegebener Ordnungssysteme .........
STAGEMANAGEMENT, 2004, Farbe, Ton, 5 min 44 sec
Bei dieser Version sind 30 sec Normfarbbalken plus den Kalibrierungston vorangestellt. Dann folgen diese in beschriebener weise mit den Begriffen zusammen montiert. Der Film endet mit zusätzlichen 30 sec monochrom Blau.
LE DÉSIR DE LA BEAUTÉ. La Wiener Werkstätte et le Palais Stoclet, 2006, Video, Farbe, Ton, 1 min 42 sec, Loop
Animation: ISOCHROM.COM, Armin Hess
Der Film setzt dort an, wo DER PREIS DER SCHÖNHEIT. zum 100. Geburtstag der WW von 2003 endet, mit dem den Bildausschnitt füllenden WW-Signet: Das Logo zerteilt, zersprengt in viele Teile und stürzt, fügt sich in das Architekturmodell des Palais des Beaux-Arts ein. Dieses Modell erscheint als ein Ausstellungsobjekt in einer Vitrine und das ist wieder die Wiener WW-Vitrine des ersten Films, in dem die Kamera durch dass Logo fährt, und schließlich heraustritt und das Zeichen zum erkennen gibt. Bei diesem Film schließt nun der Loop komplett, der Anfang ist das Ende. So wird das Ausstellen der Ausstellung vorgeführt.
NUN DAS ..., 2006, Farbe, ohne Ton, 45 min
Übersetzung: Daniel Ostermann
Digitalediting: Nadim Vardag
Produktion: Herbert Fuchs VERBALE
30. August bis 2. September 2007. Kulturgasthaus Bierstindl, Kreis 55, Kunstraum Innsbruck,
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum.
Die „Verbale" ist ein Treffen für Künstler, Literaten, Philosophen und
Publikum. Auf DVD's präsentieren die Künstler die für die VERBALE
produzierten Filme. Die DVD-Box erscheint als limitierte Edition.
Teilnehmer: Mike Bouchet, Anton Bruhin, Thomas Feuerstein, Fischli/Weiss,
Herbert Fuchs, Gert Jonke, Thomas Kapielski, Hubert Kiecol, Peter
Kogler, Rudolf Polansky, Oswald Oberhuber, Rosa Pock, Ferdinand
Schmatz, Elfie Semotan, Tamuna Sirbiladze, Marcus Steinweg, Ulrich
Strothjohann, Franz West, Heimo Zobernig.
Es entsteht ein Video, in dem ein Text in großen, das Videoformat nahezu ausfüllenden weißen Buchstaben vor schwarzem Hintergrund von rechts nach links in zügiger Lesegeschwindigkeit über das Bild zieht. Diese Art und vor allem die Dauer des Videos bedeuten für den Betrachter eine große Anstrengung, den Text zu lesen.